(Oberhausen, 6.12.2025) Text: Reiner Bohlander / Bilder: Ulf Stijowski
Die TSG Grünstadt verliert in Oberhausen ihr Aufstiegsfinale zur Ersten Bundesliga gegen den favorisierten StTV Singen mit 30:34. Es ist ein bis zum Schluss spannender Wettkampf. 80 TSG-Fans sind mitgereist. Dass es lange ganz spannend bleibt, liegt auch an Dominic Tamsel.
„Ich bin mit meiner persönlichen Leistung sehr zufrieden. Natürlich ist es schade, dass wir dieses Finale knapp verloren haben. Aber der Stolz über die starke Saison überwiegt dann doch“, sagte Dominic Tamsel nach dem Aufstiegskrimi, der kein Happy End für die TSG-Turner und ihren stimmungsvollen Anhang von rund 80 Fans hatte. Tamsel war morgens aus seiner Heimat Schweiz mit dem Flieger nach Düsseldorf gekommen und von dort nachOberhausen gefahren. „Ich wohne in der Nähe von Zürich. Dort bin ich beim Schweizer Nationalkader und studiere ja noch Elektrotechnik“, sagte der 25-Jährige.
Neben den Walisern Joe Cemlyn-Jones und John Edwards war Tamsel der dritte Gastturner, der die Grünstadter verstärkte. Sein Schweizer Teamkollege Tim Randegger war verhindert. Die Grünstadter konnten sich trotz Tamsels Reisestrapazen voll auf ihn verlassen. Das Duell mit dem vor dem Wettkampf hoch gehandelten Singer Julian Weller (12,00) am Reck gewann der Helvete klar. Tamsel turnte eine 13,60-Wertung und nahm dem StST-Athleten gleich vier Punkte ab. Am Pferd holte der Schweizer (13,35) den nächsten Vierer. Für Tamsel war es ein toller Abschluss einer starken Saison. „Ich bin schon seit vier Jahren im TSG-Kader, aber diese Runde war erst die zweite, in der ich so richtig mitgewirkt habe. Und sie war überragend. Ich fühle mich in der TSG richtig wohl. Der Mannschaftsgeist ist super“, sagte der Schweizer. „Dominic Tamsel ist super stark gewesen“, lobte Teammanager Steffen Fröhlich. „Es waren am Schluss einfach klitzekleine Nachlässigkeiten, die dazu geführt haben, dass wir die Überraschung nicht geschafft haben. Aber der Aufstieg wäre auch nur der Bonus gewesen.“
Die TSG Grünstadt, Vizemeister der Zweiten Bundesliga Nord, begann den Wettkampf gegen den Südmeister sehr gut. Nach einer Auslosung war klar, dass das erste Gerät im Duell gegen den StTV Singen der Sprung werden würde. Das Besondere am Aufstiegsfinale: Das andere Duell zwischen der KTV Koblenz und Exquisa Oberbayern fand parallel statt. Das hatte das eher ungewöhnliche Szenario zur Folge, dass während am Reck auf der einen Seite der Halle ein Athlet turnte, an den Ringen gegenüber einem anderen Turner unter Anfeuerung der Teamkollegen und Fans seine Klasse zeigte. Das konnte für den einen oder anderen Starter, der am Gerät war, irritierend wirken, wenn es auf einmal laut wurde, obwohl es nicht umihn ging. „Die Jungs müssen da einfach einen Tunnelblick haben“, sagte Steffen Fröhlich. Gute Nerven bewiesen die TSG-Turner lange. Den Sprung gewannen die Grünstadter mit 5:4. Justus Fröhlich (2) und JoachimKindler (3) holten die Scores.
Am Barren war es eng. Joe Cemlyn Jones holte drei Zähler. Singen gewann Gerät Nummer zwei mit 5:3 und ging mit 9:8 in Front. Am Reck lief es anfänglich gut für die TSG. David Jäger (2), Tamsel (4) und Oskar Dietz (2) gewannen ihre Duelle und sorgten für eine 16:9-Führung. Moritz Bulka hatte die Chance, die Führung auszubauen – griff aber gleich zweimal daneben. Singens Tim Sauter holte mit einer leichten Übung somit gleich fünf Punkte.
Durchgang zwei startete am Boden. Bulka holte einen Score, der Waliser John Edwards drei. Doch Singen fuhr sieben Scores ein und lag wieder mit 21:20 vorne. Es ging hin und her. Tamsel brachte am Pauschenpferd die TSG mit 24:21 in Front. Dann patzte Felix Georg: Der Grünstadter musste absteigen und verlor vier Scores. Danach unterlag Shimon Aoki in seinem Duell mit 0:2. Dafür holte Noah Graf mit einem Zähler wieder auf und verkürzte für die TSG auf 25:27.
Am abschließenden Gerät startete der Waliser Joe Cemlyn-Jones an den Ringen, der nach einem technischen Defekt zunächst unsanft landete, dann aber die Übung wiederholte, mit fünf Scores. Die TSG führte mit 30:27. Doch Joachim Kindler, Moritz Bulka und Nico Köhler schafften keine Punkte mehr. Singen dafür sieben. Das Team vom Bodensee war an den Ringen einfach zu stark und rettete einen 34:30-Sieg.
„Ich muss unsere Fans loben, die haben hier einen Riesenrabatz gemacht und waren die Gewinner des Abends“, sagte TSG-Coach Florian Bachmann, der nach der Niederlage gar nicht groß über die verpasste Chance trauern wollte. Dominic Tamsel, der wie Joe Cemlyn-Jones acht Scores holte und mit dem Waliser Grünstadter Topscorer war, betonte: „Das war ein super Ereignis, ich freue mich schon auf die nächste Saison.“ Im Kurzwettkampf um Rang drei direkt im Anschluss an das Duell gegen Singen gegen das Team von Exquisa Oberbayern, das gegen die KTV Koblenz mit 21:39 das andere Aufstiegsfinale verloren hatte, mussten die Grünstadter eine 3:4-Niederlage hinnehmen. Doch auch das änderte nichts an der Feierstimmung im Bus.




