75 Jahre TSG-Leichathletik

Die Leichtathletikabteilung der TSG Grünstadt feiert 2026 ihr 75-jähriges Bestehen. Seit der Gründung 1951 hat sie sich zu einem beständigen Pfeiler des sportlichen Lebens in Grünstadt und der gesamten Region entwickelt. Die Abteilung verbindet Tradition mit moderner Trainingsarbeit, fördert kontinuierlich den Nachwuchs und zeichnet sich durch eine starke Lauf- und Triathlonkultur aus. Die letzten 25 Jahre waren dabei besonders prägend – sportlich, organisatorisch und gesellschaftlich.

1. Sportliche Höhepunkte – Klassische Leichtathletik

Die klassische Leichtathletik ist seit den 1950er-Jahren fest in der TSG verankert. Bereits in den frühen Jahrzehnten entstanden stabile Strukturen für Training, Wettkämpfe und Nachwuchsarbeit. In den 1970er- und 1980er-Jahren erzielten Athletinnen und Athleten der TSG regelmäßig Titel auf Bezirks- und Pfalzebene und etablierten den Verein als verlässlichen Leistungsstützpunkt der Region.

In den 1990er-Jahren folgte eine besonders erfolgreiche Generation. Markus Scholler, Nisar Zimmermann, Anne Marie Weyer, Heike Siener und Angelika Servo erzielten über viele Jahre hinweg starke Ergebnisse in Sprint-, Sprung- und Mehrkampfdisziplinen. Mehrere Pfalztitel, Berufungen in Verbandskader und Platzierungen in Deutschen Bestenlisten unterstrichen die Leistungsfähigkeit dieser Gruppe und bildeten die Grundlage für die Erfolge der folgenden Jahrzehnte.

Ab den 2000er-Jahren knüpfte eine neue Generation an diese Tradition an. Felix Schneider gehörte zwischen 2008 und 2013 im Dreisprung zu den besten Jugendlichen in Rheinland-Pfalz. In der ersten Hälfte der 2010er-Jahre dominierte Imran Ahmed in Sprint-, Weit- und Dreisprungdisziplinen sowie im Mehrkampf und gewann mehrere Landes- und Deutsche Meisterschaftstitel. Parallel dazu überzeugten Anna Gehrmann, Josefine Klett und Hanna Sandmann mit herausragenden Leistungen in ihren Altersklassen.

In den 2020er-Jahren rückten erneut vielversprechende Athletinnen und Athleten in den Fokus. Julian Schlepütz, Paul Kronemayer, Carlo Deuker, Merle Brammert-Schröder und Sarah Jalloh sammelten zahlreiche Titel in Sprint-, Sprung- und Mehrkampfwettbewerben und setzten die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Abteilung fort. Kooperationen in Startgemeinschaften wie der StG Unterhaardt oder dem Sprint Team EGD erweiterten zudem die sportlichen Möglichkeiten und ermöglichten Erfolge auch auf Mannschaftsebene.

2. Sportliche Höhepunkte – Laufen und Triathlon

Die Jahre 1990 bis 2015 waren von einer außergewöhnlich aktiven und leistungsstarken Ausdauer- und Triathlongruppe geprägt. In dieser Zeit entwickelte sich innerhalb der TSG eine große Trainingsgemeinschaft, die mit beeindruckender Konstanz an regionalen, nationalen und internationalen Wettkämpfen teilnahm.

Das sportliche Spektrum reichte von Straßen- und Bergmarathons über 12- und 24-Stunden-Läufe bis hin zu Ultratrails, Etappenrennen und Triathlon- beziehungsweise Ironman-Veranstaltungen. Die Breite dieser Leistungen und die hohe Wettkampfpräsenz machten die TSG über viele Jahre hinweg zu einem der sichtbarsten Vereine im pfälzischen Ausdauersport.

Aus dieser starken Gruppe ragen einzelne Athleten mit besonderen langjährigen Erfolgen hervor. So absolvierte Rüdiger Stüber 2014 seinen 500. Wettkampf und gehörte über Jahrzehnte zu den konstantesten Ausdauerathleten der Region. Karl Kögel setzte im Triathlon Maßstäbe und prägte die Entwicklung der Trainingsarbeit maßgeblich. Dirk Karl überzeugte im Ultralauf regelmäßig mit Distanzen über 150 Kilometern, während Frank Schmiade durch Serien extremer Mehrfachstarts bei Marathon- und Ultraläufen beeindruckte.

Ein besonderes Highlight der jüngeren Vergangenheit setzte Robert Votteler, der 2024 den Ironman-Weltmeistertitel seiner Altersklasse M65 in Barcelona gewann – einer der bedeutendsten internationalen Erfolge der TSG-Leichtathletik.

3. Veranstaltungen

Die TSG Grünstadt ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher und profilierter Veranstalter, dessen Wettkämpfe fest im regionalen Lauf- und Leichtathletikkalender verankert sind.

Marathon Deutsche Weinstraße

Der alle zwei Jahre ausgetragene Landschaftsmarathon zählt zu den größten seiner Art in Deutschland. Mit Tausenden Teilnehmern, einer anspruchsvollen Strecke und der engen Verbindung zur regionalen Weinkultur ist er ein Aushängeschild der Region. Die TSG trägt seit Beginn organisatorische Mitverantwortung – von der Streckenbetreuung bis zur Präsentation auf großen Marathonmessen.

Stadtlauf / SWEN-Weinbergslauf

Der Stadtlauf, später zum SWEN-Weinbergslauf weiterentwickelt, ist seit den frühen 1990er-Jahren ein zentraler Bestandteil des regionalen Laufgeschehens. Besonders geprägt wurde die  Veranstaltung durch die Einbindung in den Drei-Länder-Laufcup, eine Kooperation mit Vereinen aus Mannheim, Brühl, Rot und Viernheim. Die Reihe stärkte Sichtbarkeit, Teilnehmerzahlen und die Vernetzung im gesamten Rhein-Neckar-Raum.

Leininger Crosslauf

Der traditionelle Crosslauf im Rudolf-Harbig-Stadion, mehrfach Austragungsort der Pfalzmeisterschaften, bietet seit Jahrzehnten ideale Wettbewerbsbedingungen für Nachwuchs- und Breitensport. Stabile Teilnehmerzahlen und die lange Tradition machen ihn zu einem wichtigen Baustein der regionalen Laufkultur.

4. Abteilungsentwicklung und regionale Bedeutung

Die TSG-Leichtathletik ist das Ergebnis einer über Jahrzehnte gewachsenen Struktur. Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren legten Abteilungsleiter wie Karl Guttowsky, Waldemar Kohzer und Georg Wolf die organisatorischen Grundlagen. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelten Karl-Heinz Monreal, Adolf Dell und Dieter Sahm die Abteilung weiter und sorgten für regelmäßige Stadion- und Laufevents.

Mit der zunehmenden Bedeutung des Ausdauersports ab den späten 1980er-Jahren gewann die Abteilung weiter an Dynamik. Ab den 2000er-Jahren führten neue Trainingsangebote, Startgemeinschaften, die Ausweitung der Kinder- und Jugendarbeit sowie die Unterstützung durch den Förderverein für Jugend- und Breitensport Leiningerland zu einer weiteren Professionalisierung. Ein wichtiger Meilenstein war der Beschluss des Stadtrats zur Sanierung des Rudolf-Harbig-Stadions im Jahr 2021, der die Zukunftsfähigkeit der Leichtathletik in Grünstadt sichern soll. Ob dies wie geplant in naher Zukunft umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Die Abteilung zählt heute zu den großen Bereichen der TSG und ist mit ihren Athleten, Übungsleitern und Veranstaltungen ein fester Bestandteil des sportlichen und gesellschaftlichen Lebens der Region.

5. Personelles

Die sportliche und organisatorische Entwicklung der Leichtathletikabteilung wurde wesentlich durch ehrenamtliches Engagement getragen. Eine zentrale Rolle spielte Rainer Drechsler, der über mehr als fünf Jahrzehnte als Trainer aktiv war und Generationen von Nachwuchsathleten prägte.

Ebenso prägend waren die Abteilungsleiter seit 1951: Karl Guttowsky, Waldemar Kohzer, Georg Wolf, Karl-Heinz Monreal, Adolf Dell, Dieter Sahm, Volker Schröder, Klaus Schwerdel, Stefan Wamser, Rainer Drechsler, Paul Paszyna, Gerd Turznik und Ernst Dopp. Ihr engagiertes Wirken bildet das Fundament für die erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

Besondere Anerkennung erhielten Ute und Gerd Turznik, die 2023 von der Hauptversammlung der TSG für ihr langjähriges Engagement zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt wurden.

6. Ausblick

Die Leichtathletikabteilung der TSG Grünstadt steht seit 75 Jahren für sportliche Vielfalt, verlässliche Nachwuchsarbeit und eine enge Verbindung zur Region. Auch in Zukunft möchten wir diese Rolle weiter ausfüllen – stehen dabei jedoch vor zwei wesentlichen Herausforderungen.

Zum einen braucht die Abteilung perspektivisch mehr jüngere Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Viele unserer Trainer und Vorstandsmitglieder engagieren sich bereits seit Jahrzehnten und tragen die Abteilung mit großem Einsatz. Um diese Kontinuität auch künftig zu sichern, wünschen wir uns motivierte neue Kräfte, die die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre fortführen und weiterentwickeln.

Zum anderen setzt die Zukunftsfähigkeit der Leichtathletik angemessene Trainingsbedingungen voraus. Das Rudolf-Harbig-Stadion befindet sich seit Jahren in einem Zustand, der zeitgemäßes Training nicht zulässt. Obwohl der Stadtrat 2021 eine umfassende Sanierung der gesamten Anlage beschlossen hat, sind bis heute keine sichtbaren Fortschritte bei den leichtathletischen Anlagen erkennbar. Wiederholte Verzögerungen gehören leider seit Jahrzehnten zur Erfahrung der Abteilung, weshalb berechtigte Zweifel bestehen, ob die notwendigen Modernisierungen umgesetzt werden.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die TSG-Leichtathletik entschlossen, ihren Weg aktiv weiterzugehen – mit dem Ziel, auch in Zukunft ein lebendiger, erfolgreicher und offener Anlaufpunkt für Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen zu sein.

 

Zusammengefasst von Gerd Turznik im Januar 2026

Eine gedruckte Festschrift über die letzten 25 Jahre mit vielen Fotos ist in Vorbereitung und wird Mitte des Jahres erscheinen.