Leichtathletik: Challenge Championship in Samorin

Vom Krankenbett zurück aufs Podium – Roberts außergewöhnliches Comeback

Manche Wettkämpfe schreibt man nie aus dem Gedächtnis. Für Robert Votteler war die Challenge Championship im Mai 2025 ein solcher Tag – allerdings aus einem völlig anderen Grund als geplant.

Bei regnerischen Bedingungen stürzte Robert während der Radstrecke und erlitt dabei einen Oberschenkelhalsbruch – eine schwere Hüftverletzung, die eine Operation mit dynamischer Hüftschraube erforderlich machte. Diese Verletzung bedeutete zunächst das abrupte Ende seiner Saison. Die bereits geplante Teilnahme an der Crosstriathlon-Weltmeisterschaft mit der deutschen Masters-Nationalmannschaft sowie der Start bei der Ironman-Weltmeisterschaft in Nizza waren damit nicht mehr möglich.

Während der Tage im Krankenhaus blieb ihm jedoch ein Satz seines Operateurs, des Chefarztes in Straubing, besonders in Erinnerung. Als die Folgen der Verletzung besprochen wurden, sagte dieser: „Das können Sie dann nächstes Jahr nachholen.“ Damals klang dieser Satz wie eine ferne Hoffnung.

Die medizinische Prognose war eindeutig: Der Weg zurück würde lang werden. Die Ärzte rechneten mit mindestens zehn Monaten, bis wieder an Sport auf Wettkampfniveau zu denken sei. Was folgte, waren viele Monate Rehabilitation, Physiotherapie, Kraftaufbau und unzählige Trainingseinheiten mit Geduld statt Startnummer.

Im März 2026 kam schließlich die erlösende Nachricht: Der behandelnde Arzt gab grünes Licht für die Rückkehr in den Wettkampfsport. Zunächst standen zwei Belastungstests auf dem Programm.

Am 12. April startete Robert beim Halbmarathon des Weinstraßen-Marathons. Eigentlich sollte es lediglich ein Test unter Wettkampfbedingungen werden. Das Ergebnis überraschte selbst ihn: Mit einer Zeit von 1:46 Stunden belegte er den zweiten Platz seiner Altersklasse.

Der erfolgreiche Halbmarathon war keine Eintagserscheinung: Nur drei Wochen später stellte sich Robert beim Pfalztrail über 22 Kilometer der nächsten Herausforderung. Auch hier zeigte sich, wie weit der Weg zurück bereits gelungen war. Robert gewann seine Altersklasse in 2:09 Stunden.

Verglichen mit seinen Leistungen vor der Verletzung sieht er sich aktuell wieder bei rund 90 Prozent seines früheren Laufvermögens. Die letzten Prozentpunkte zurückzugewinnen wird noch Zeit benötigen, doch die Entwicklung stimmt optimistisch. Besonders bemerkenswert: Dieses Comeback gelang in einer Altersklasse, in der viele Sportler längst kürzertreten. Roberts Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass man sich auch mit über 60 Jahren nach einer schweren Verletzung zurückkämpfen kann – wenn Geduld, Disziplin und Leidenschaft zusammenkommen.

Das große Highlight wartete jedoch Ende Mai. Für die Challenge Championship in Samorin erhielt Robert aufgrund seiner starken Leistungen in den Jahren vor seiner Verletzung eine Wild Card. Damit kehrte er genau zu jenem Wettkampf zurück, bei dem ein Jahr zuvor alles begonnen hatte.

Und die Rückkehr hätte kaum emotionaler verlaufen können. Bereits beim Schwimmen und Radfahren zeigte sich, dass kaum Leistungsfähigkeit verloren gegangen war. Beide Disziplinen absolvierte er nahezu auf dem Niveau der Jahre vor der Verletzung.

Auf der Laufstrecke entwickelte sich anschließend ein spannender Kampf um die Podiumsplätze. Als Fünfter wechselte Robert auf die Laufstrecke. Laufen war schon immer seine stärkste Disziplin. Nach zwei der vier Laufrunden hatte er sich bereits auf den zweiten Platz vorgearbeitet.

Doch die Folgen der langen Verletzungspause waren auf den letzten Kilometern noch spürbar. Während die Konkurrenz nochmals beschleunigen konnte, fehlte ihm dieses letzte Prozent Leistungsfähigkeit. Die letzten fünf Kilometer wurden zu einem Kampf gegen die eigene Erschöpfung.

Am Ende stand Platz 3 in der Altersklasse bei der Challenge Championship. Ein Ergebnis, das für viele Athleten ein Podiumsplatz ist – für Robert jedoch weit mehr bedeutet. Nach zwölf Monaten harter Reha-Arbeit, vielen Stunden des Wiederaufbaus, manchen Momenten des Zweifelns und dem behutsamen Trainingsaufbau ab dem sechsten Monat fühlte sich dieser dritte Platz an wie ein Sieg.

Oder wie Robert selbst sagt: „Als ich ins Ziel kam und realisierte, dass ich Dritter bin, wurden die Augen schon etwas nass.“

Der Verein gratuliert herzlich zu diesem außergewöhnlichen Comeback und wünscht weiterhin Gesundheit, Freude am Sport und viele weitere Erfolgserlebnisse.