So läuft das Online-Training bei der TSG Grünstadt

Auch die Tanzsportabteilung der TSG Grünstadt ist im Lockdown. Deshalb müssen Alternativen her: Schon im März fingen die Trainer Simon Völbel und Maria Schulle an, aus dem Homeoffice Tanztraining anzubieten. Einem Küchenutensil kommt dabei eine ganz besondere Aufgabe zu.

Simon Völbel startet die Zoom-Session, die ersten Tänzer loggen sich ein. „Mal sehen, wie viele heute dabei sind“, sagt er. Der Coach leitet das Tanztraining während des Pandemie-Lockdowns von daheim aus per Videochat. Völbel wohnt in Bad Dürkheim mit bester Aussicht über die Stadt. Alle Blicke sind trotz dieses schönen Panoramas auf den Fernseher gerichtet. Den hat er mit seinem Laptop verbunden, der auf der Küchentheke auf der anderen Seite des Raumes steht. So sehen ihn seine Tänzer wie gewohnt von hinten, während er auf dem Fernseher alle im Blick hat.

„So meine Lieben! Geht’s euch gut?“, fragt er mit lauter, heiterer Stimme in die Runde, als alle eingeloggt sind. 15 Leute sind es diesmal, einige alleine, andere gleich mit Partner. Völbel beugt sich nah an die weitwinklige Kamera seines Laptops heran, schafft so eine gewisse Nähe trotz Distanz. Das macht er jedes Mal so, wenn er im Verlauf der Trainingsstunde zu seinen Leuten spricht.

Mit dabei beim Training ist auch Maria Schulle, die nicht nur ebenfalls Trainerin ist, sondern auch Völbels Tanzpartnerin. Die beiden sind seit rund sechs Jahren Profis und Trainer bei der TSG Grünstadt, aber auch beim Tanzsportverein Tanzcasino Fohlenweide Mutterstadt. Die Onlinestunden organisieren sie für Mitglieder beider Vereine zusammen.

Im ersten Lockdown musste eine schnelle Lösung her

Als im März der erste Lockdown kam, standen die Tänzer plötzlich vor einem Problem, das viele Sportvereine traf: Wie schafft man es, die Gruppe bei der Stange zu halten, ein Angebot zu machen, das so nah wie möglich an die Trainingsstunden vor Ort rankommt – und die Corona-Bestimmungen einhält?

Anfangs haben es Völbel und Schulle noch mit einzelnen Videos versucht. Das habe aber gleich mehrere Probleme mit sich gebracht: Es sei aufwendiger, weil man die Videos alle einzeln schneiden müsse, sagt Schulle. Außerdem bekomme man keine Rückmeldung, weil man die Teilnehmer nicht sehen könne.

Ab Mai startete dann das erste digitale Gruppentraining, bevor es im Juni dann kurzzeitig wieder erlaubt war, in Präsenz zu trainieren. Die Trainer haben mit dem Onlineunterricht gute Erfahrungen gemacht. Es sei die beste Möglichkeit, während des bestehenden Kontaktverbots Gruppen zu trainieren.

Doch natürlich gebe es auch Schwierigkeiten. Zum einen sei das die Emotion, die beim Tanzen essenziell ist. Die Musik zu spüren und den eigenen Ausdruck rüberzubringen, darum gehe es. Doch es gibt auch noch eine ganz banale Schwierigkeit beim Videochat. Völbel: „Bewegung ist dreidimensional.“ Dem Bildschirm fehlt eine Dimension, was es sehr schwer macht, komplexe Bewegungsabläufe zu zeigen.

„Man lernt, als Trainer damit umzugehen“, sagt Schulle, während Völbel ein Nudelholz zückt, das später beim Training gleich zweimal zum Einsatz kommt. Einmal benutzt er es, um zu verdeutlichen, dass die Wirbelsäule gerade gehalten werden muss. Später holt er das Küchenutensil noch einmal vor die Kamera, als es um die Hüftstellung bei der Rumba geht.

Tänzer tragen in der Regel beim Training enge, schwarze Kleidung. Grund dafür ist, dass die Tanzsportler beim Coach die Bewegungsabläufe besser erkennen können – und umgekehrt. Im Videochat ist das allerdings anders. Da braucht es ein Hilfsmittel, das dick genug, hell genug, so breit wie die Hüften ist und gut in der Hand liegt. Da Völbels Küche direkt neben dem Wohnzimmer liegt, lag der Griff zum Nudelholz nahe.

Um zu verdeutlichen, was Völbel den Tänzern am anderen Ende der Leitung erklären will, zeigt er die Bewegungen der Hüfte mit dem Nudelholz, und zwar bewusst übertrieben.

Wer sich dem Verein anschließen möchte, kann das übrigens auch in der Pandemie tun, macht Völbel klar, der auch Zweiter Vorsitzender der TSG ist. Am besten über das Kontaktformular auf tsg-gruenstadt.de.

Von seinen Nachbarn hat Völbel übrigens noch nichts gehört. Auch, wenn er mit den Tanzschuhen über den Fußboden fegt, Musik laufen lässt und laut in sein Laptop spricht. „Das ist ja mein Job“, sagt er. Aber lieber wäre es ihm dennoch, seine Tänzer wieder in der Halle zu sehen.